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Landschaftsinspiration Madeira – Wo die Natur meine Bilder malt

  • Autorenbild: Nataly
    Nataly
  • 28. Aug.
  • 6 Min. Lesezeit
Steile, zerklüftete Berglandschaft auf Madeira mit tiefem, grün bewachsenem Tal, sonnenbeschienenen Berghängen und Blick über die Wolkendecke bis zum klaren blauen Horizont

„Ich möchte die Unmittelbarkeit der Natur wiedergeben – und vor allem das Licht.“

— Claude Monet

 

Oft werde ich gefragt, woher ich die Ideen für meine Bilder nehme. Woher kommen diese Farben? Warum sehen manche meiner Landschaften so weich, verträumt und fast ein wenig unwirklich aus?


Meine Antwort ist eigentlich ganz einfach: Ich reise. Ich beobachte. Und ich fotografiere.


Eine meiner größten Inspirationsquellen ist die Landschaftsfotografie. Nicht, weil ich Landschaften möglichst detailgetreu abmalen möchte – ganz im Gegenteil.

Ich sammle auf meinen Reisen Eindrücke: eine Farbstimmung, einen Nebelschleier, das Licht auf dem Wasser, eine besondere Form eines Berges oder einfach dieses Gefühl, das ein bestimmter Ort in mir auslöst. Und genau dieses Gefühl nehme ich mit an meinen Maltisch.


Vor kurzem war ich auf Madeira und diese Insel hat meine innere Farbpalette ordentlich durcheinandergebracht. Im allerbesten Sinne.


Madeira – eine Insel wie ein lebendiges Skizzenbuch


Blühende gelbe Ginstersträucher und grüne Vegetation auf den Höhen Madeiras mit Blick über bewaldete Berghänge und eine dichte Wolkendecke unter klarem blauem Himmel.

Madeira ist für mich kein Ort, den man einfach nur „anschaut“. Diese Insel möchte entdeckt, erlaufen und vor allem gefühlt werden.

Auf relativ kleinem Raum findet man dort eine unglaubliche Vielfalt an Landschaften: schroffe Berge, tiefe Täler, üppige Wälder, tropisch anmutende Vegetation, Wasserfälle, Lavagestein, kleine Dörfer und natürlich den Atlantik.

Und dann ist da dieses Licht.

Es kann morgens weich und milchig sein, während wenige Kilometer weiter die Sonne durch die Wolken bricht. Eben noch steht man in dichtem Nebel… und plötzlich öffnet sich die Landschaft und gibt den Blick auf einen gewaltigen Berghang frei.

Für einen Landschaftsmaler ist das beinahe unfair. Man möchte eigentlich ständig stehen bleiben und fotografieren.

Und genau das habe ich gemacht.

Meine Kamera war auf Madeira deshalb weniger „Reisekamera“ als vielmehr mein mobiles Inspirationsarchiv.

Denn ich habe gelernt: Ein gutes Landschaftsfoto muss nicht unbedingt ein perfektes Foto sein. Es muss etwas in mir auslösen.

Vielleicht ist es nur eine Farbkombination. Vielleicht eine ungewöhnliche Perspektive. Vielleicht die Stimmung eines ganz bestimmten Moments. Und manchmal ist es einfach nur ein Schatten.


Die Levadas – Landschaften in Bewegung



Eine der Besonderheiten Madeiras sind die Levadas.

Diese historischen Bewässerungskanäle durchziehen die Insel und führen Wasser aus den niederschlagsreichen Regionen in trockenere Gebiete. Viele Wanderwege verlaufen direkt entlang dieser schmalen Wasserkanäle.

Für mich sind die Levadas aber noch aus einem anderen Grund faszinierend: Sie führen mitten hinein in eine Landschaft, die sich ständig verändert.

Man läuft durch üppiges Grün, vorbei an Moosen, Farnen und kleinen Wasserfällen. Dann öffnet sich plötzlich der Wald. Ein paar Meter weiter verschwindet alles wieder im Nebel.

Wenn ich dort fotografiere, versuche ich deshalb nicht, alles gleichzeitig festzuhalten.

Ich suche nach kleinen Ausschnitten.

Ein Farnblatt. Eine moosbewachsene Steinwand. Das Wasser, das sich als schmale helle Linie durch das Grün zieht. Eine Lichtung zwischen Bäumen. Genau daraus entstehen später oft meine Malideen.


Manchmal reicht ein kleiner Ausschnitt und ein Gefühl, um eine ganze Welt entstehen zu lassen.


Das ist übrigens eine wunderbare Übung, wenn du selbst Inspiration für Landschaftsbilder suchst: Fotografiere nicht nur „die schöne Aussicht“. Suche nach Details.

Ein Stück Himmel. Eine Baumgruppe. Eine Spiegelung. Eine Farbkombination. Oder eine interessante Linie… Später kannst du daraus ein völlig eigenes Bild entwickeln.




Der Fanalwald – wenn die Landschaft zu träumen beginnt


Knorrige, teils vom Wind geformte Bäume im dichten Nebel des Fanalwaldes auf Madeira, deren dunkle Silhouetten aus einer mystischen, nahezu märchenhaften Landschaft hervortreten

Einer der Orte, die mich besonders beeindruckt haben, war der Fanalwald im Nordwesten Madeiras.

Der uralte Lorbeerwald gehört zur UNESCO-Welterbe-Landschaft und wirkt bei Nebel beinahe surreal.

Die knorrigen Bäume, die mit Moos überzogenen Äste und der Nebel erzeugen eine Atmosphäre, die man kaum künstlich inszenieren könnte.

Und genau dort habe ich wieder gemerkt, wie wichtig Stimmung für meine eigene Malerei ist.

Wenn man eine Landschaft fotografiert, denkt man oft zuerst an das Motiv.

Was sehe ich? Einen Baum. Einen Berg. Ein Meer.

Aber beim Malen interessiert mich zunehmend die andere Frage: Was fühle ich dabei?

Der Fanalwald ist für mich kein Bild mit „Bäumen“.

Er ist geheimnisvoll. Ruhig. Fast märchenhaft. Ein wenig melancholisch. Und gleichzeitig unglaublich lebendig.

Wenn ich diese Stimmung später auf Papier übersetze, muss deshalb nicht jeder Baum zu erkennen sein. Vielleicht reichen einige dunkle Formen, ein weicher Hintergrund und ein wenig Nebel.

Das Bild darf seine eigene Sprache entwickeln.




Die Berge – zwischen Himmel und Erde


Panoramablick über ein tief eingeschnittenes, dicht bewaldetes Tal auf Madeira mit üppig grünen Berghängen, markanten Felsformationen und dem Atlantik am Horizont unter klarem blauem Himmel.

Madeira ist eine Insel der Berge.

Und was mich daran besonders fasziniert, sind die unterschiedlichen Erscheinungsformen derselben Landschaft.

Mal wirken die Berge weich und fast pastellig, weil Wolken und Nebel ihre Konturen verschlucken. Dann wieder sind sie schroff und dramatisch.

Auf den Höhen verändert sich das Wetter teilweise innerhalb kürzester Zeit. Wolken ziehen über die Bergrücken, Sonnenlicht fällt auf einzelne Bereiche und verschwindet wenige Minuten später wieder.

Für die Aquarellmalerei ist das unglaublich inspirierend.

Denn Aquarell kann genau diese Unbeständigkeit wunderbar einfangen.

Es muss nicht alles scharf sein.

Es darf verlaufen. Es darf sich vermischen. Es darf offenbleiben.

Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum mich Landschaften so sehr faszinieren: Sie erinnern uns daran, dass nicht alles einen festen Umriss braucht.


Wenn Madeira wie ein Dschungel aussieht


Wasserfall (25 Fontes), der über eine steile Felswand in ein klares Naturbecken auf Madeira stürzt, umgeben von dunklen Felsen, Farnen und großen Steinen am Ufer in einer üppigen, tropischen Waldlandschaft.

Wer Madeira zum ersten Mal besucht, erwartet vielleicht eine klassische europäische Insel.

Und dann steht man plötzlich mitten in einer unglaublich üppigen, fast tropisch wirkenden Vegetation.

Farne, Moose, Bananenpflanzen, Palmen, Lorbeer, Blumen und unzählige Grüntöne.

Und damit sind wir bei einer meiner liebsten Inspirationsquellen angekommen:

Grün. Denn Grün ist niemals einfach nur Grün.

Auf Madeira findet man gelbliches Grün, tiefes Waldgrün, kühles Blaugrün, leuchtendes Frühlingsgrün, moosiges Grün und fast schwarze Grüntöne in den Schatten.

Wenn ich solche Landschaften fotografiere, achte ich deshalb besonders auf die Farbbeziehungen.

Welche Farbe liegt neben welcher? Wo wird das Grün wärmer? Wo wird es kühler?

Wo entsteht durch Licht plötzlich ein ganz anderer Farbton?

Das sind Dinge, die man später beim Malen wunderbar abstrahieren kann.

Du musst also nicht versuchen, eine Pflanze exakt nachzumalen.

Nimm stattdessen die Farbstimmung mit.

Vielleicht wird aus einem realen Madeira-Wald später ein völlig abstraktes grünes Aquarell.

Und genau darin liegt für mich die Freiheit der Kunst.




Der Atlantik – meine größte Farbquelle


Steile Küstenlandschaft auf Madeira mit markantem, grün bewachsenem Bergmassiv, türkisblauem Atlantik, schmalem Küstenstreifen und weißen Wellen entlang der felsigen Küste unter teilweise bewölktem Himmel

Und natürlich: das Meer. Der Atlantik rund um Madeira hat mich immer wieder innehalten lassen.

Nicht nur wegen seiner Größe, sondern wegen seiner Farben.

Blau. Türkis. Petrol. Grau. Grün. Silber. Und manchmal fast Schwarz.

Dazu kommen die dunklen vulkanischen Felsen, die einen wunderschönen Kontrast zu den hellen Blautönen bilden.

Ich fotografiere das Meer deshalb selten nur als „Meer“.

Mich interessieren die Übergänge.

Wo endet der Himmel? Wo beginnt das Wasser? Wo bricht eine Welle auf dem Felsen?

Wo verändert das Licht die Farbe?

Und manchmal fotografiere ich einfach nur den Horizont.

Diese scheinbar ganz einfache Linie ist für meine Malerei unglaublich wichtig.

Ein Horizont kann ein Bild beruhigen. Er kann ihm Weite geben. Oder er kann Spannung erzeugen.

Ein kleiner goldener Streifen am Horizont kann plötzlich die gesamte Stimmung eines Bildes verändern.

Vielleicht kennst du das aus meinen Bildern.

Oft brauche ich gar nicht viel.

Ein paar Farbfelder. Eine Linie. Ein Hauch Licht.

Und schon beginnt die Landschaft im Kopf weiterzuleben.




Meine wichtigste Reiseausrüstung: offene Augen


Eine sich freuende Frau mit wunderschöner Berglandschaft und Wolken auf Madeira im Hintergrund

Wenn du selbst Inspiration für deine Kunst suchst, möchte ich dir deshalb einen kleinen Gedanken mitgeben:

Du brauchst nicht unbedingt ein spektakuläres Reiseziel. Du brauchst Aufmerksamkeit.

Natürlich ist Madeira eine außergewöhnliche Inspirationsquelle. Aber auch vor der eigenen Haustür gibt es unzählige Motive.

Ein Spaziergang im Wald. Ein Feld im Abendlicht. Nasse Straßen nach einem Gewitter. Ein einzelner Baum auf einer Wiese. Wolken über einem Haus. Eine Pfütze, in der sich der Himmel spiegelt.

Fotografiere nicht nur die Dinge, die „schön“ aussehen.

Fotografiere das, was dich berührt.

Ich habe auf Madeira viele Fotos gemacht, die wahrscheinlich niemals als klassisches Reisefoto funktionieren würden.

Aber genau diese Bilder können später die interessantesten Ausgangspunkte für ein Gemälde sein.

Denn Inspiration bedeutet für mich nicht, ein Foto zu kopieren.

Inspiration bedeutet, etwas zu entdecken und es anschließend in die eigene Bildsprache zu übersetzen.


Von der Fotografie zum Aquarell

Wenn ich später an meinem Maltisch sitze, schaue ich mir meine Reisefotos deshalb nicht mit der Frage an:

„Wie male ich das exakt nach?“

Sondern eher:

„Was möchte ich davon behalten?“

Vielleicht die Farben.

Vielleicht die Stimmung.

Vielleicht die Komposition.

Vielleicht nur eine einzelne Form.

Ich kann aus mehreren Fotografien eine neue Landschaft zusammensetzen. Ich kann Farben verändern, Elemente weglassen, Formen vereinfachen oder eine Landschaft völlig abstrahieren.

So wird aus einer realen Landschaft langsam eine persönliche Erinnerung.

Und irgendwann sieht man dem Bild vielleicht gar nicht mehr an, dass seine Idee auf Madeira entstanden ist.

Aber ich weiß es.

Ich weiß, dass dieses bestimmte Grün aus einem feuchten Wald stammt.

Dass dieser Blauton vom Atlantik kommt.

Dass diese dunkle Bergsilhouette mich an einen nebligen Morgen erinnert.

Und dass dieser kleine goldene Streifen am Horizont eigentlich eine Erinnerung an einen ganz bestimmten Moment ist.

Vielleicht ist genau das Inspiration

Ich glaube, wir denken bei Inspiration oft viel zu kompliziert.

Wir warten auf die große Idee. Auf den perfekten Moment. Auf diesen einen Geistesblitz.

Dabei beginnt Inspiration häufig viel unspektakulärer. Mit einem Spaziergang. Mit einer Reise.

Mit einem Foto. Mit einem Lichtstrahl. Mit einem Gefühl.

Oder mit dem Moment, in dem wir einfach einmal stehen bleiben und wirklich hinschauen.

Madeira hat mich daran wieder erinnert.


Landschaft ist nicht nur etwas, das vor unseren Augen liegt. Landschaft ist auch etwas, das in uns weiterlebt.


Segelboot auf dem offenen Atlantik vor Madeira unter einem weitläufigen Himmel mit Wolken

Und vielleicht ist genau deshalb Landschaftsfotografie für mich so eng mit meiner Malerei verbunden.

Ich fotografiere, um mich zu erinnern.

Ich male, um zu fühlen.

Und manchmal entsteht dazwischen etwas ganz Eigenes.

Ein Bild, das keine genaue Kopie eines Ortes mehr ist, sondern eine kleine Erinnerung auf Papier.

Vielleicht schaust du beim nächsten Spaziergang einmal anders auf deine Umgebung.

Nicht mit der Frage: Was könnte ich malen?

Sondern einfach:

Was sehe ich gerade, das ich normalerweise übersehen würde?

Vielleicht ist genau dort deine nächste Inspiration.

Und vielleicht beginnt dein nächstes Bild nicht am Maltisch.

Sondern draußen.

Mit offenen Augen.

Mit einer Kamera.

Oder einfach nur mit einem Moment, in dem du innehältst. 🌿🎨

Madeira hat mir jedenfalls wieder gezeigt: Die Natur malt bereits. Wir müssen manchmal nur lange genug hinschauen.



 

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